Archiv.org am abgrund: ki-angst und medienboykott gefährden das digitale gedächtnis
Das Internet Archive, eine digitale Schatzkammer für Milliarden Webseiten und ein unverzichtbares Werkzeug für Journalisten, Forscher und Juristen, steht vor dem Aus. Die Plattform kämpft mit einem Dominoeffekt aus Cyberangriffen, Urheberrechtsstreitigkeiten und nun auch dem Druck der Medienindustrie.
Der digitale schmelztiegel in der krise
Die jüngsten Cyberangriffe haben die Archive in den Ruin getrieben. Im Mai 2024 war das Internet Archive für drei Tage komplett lahmgelegt. Hinzu kommen anhaltende Probleme mit Urheberrechtsverletzungen, die dazu führten, dass über 500.000 Bücher gelöscht werden mussten. Doch die größte Bedrohung kommt aus den eigenen Reihen: Immer weniger Zeitungen und Zeitschriften sind bereit, ihre Inhalte in das Archiv hochzuladen, einige blockieren die Zugriffe sogar aktiv.

Google chrome und die ki-bedrohung
Eine Studie der Nieman Foundation for Journalism at Harvard zeigt erschreckende Zahlen: Mindestens 241 Nachrichtenportale aus neun Ländern blockieren das Internet Archive. Die Motive sind vielfältig, vor allem die Sorge, dass der Inhalt für das Training von Künstlicher Intelligenz missbraucht wird. Giganten wie OpenAI und Google nutzen das Archiv, um massenhaft Daten zu sammeln – mit Tausenden von Anfragen pro Sekunde, die die Server überlasten.

Ein kampf gegen die zeit
Mark Graham, Leiter der Wayback Machine, bestätigte, dass die Infrastruktur des Archivs nicht auf diese Art und Weise vorbereitet war. „Wir bieten wie eine traditionelle Bibliothek kostenlosen Zugang zu Forschern, Historikern, Wissenschaftlern, Menschen mit Leseschwäche und der breiten Öffentlichkeit. Unser Ziel ist es, den universellen Zugang zu Wissen zu fördern.“
Doch die Unterstützung kommt nicht nur von außen. Über 100 Journalisten haben sich bereits für das Internet Archive ausgesprochen. „In einem Medienumfeld, in dem Artikel verschwinden – durch verlorene Links, Fusionen oder Kostensenkungsmaßnahmen – greifen Journalisten häufig auf die Wayback Machine zurück, um verlorene Seiten wiederzuerlangen. Ohne diese Arbeit an der Erhaltung des Internets würde ein großer Teil der jüngeren Mediengeschichte verloren gehen.“
Die Situation ist ernst. Das Internet Archive ist mehr als nur ein digitaler Speicher; es ist ein Bollwerk gegen Vergessenheit und eine Garantie für die Bewahrung des öffentlichen Gedächtnisses. Und es droht, zu zerbrechen.