Geschwindigkeitsunterschied im auto: warum ihr tacho lügt – und was das für sie bedeutet
Sie haben es bestimmt schon bemerkt: Während Sie mit Google Maps oder Waze navigieren, zeigt Ihr Fahrzeug-Display oft eine andere Geschwindigkeit an als die, die eigentlich gilt. Eine ganze Reihe von Kilometern – meist zwischen 5 und 10 km/h – Unterschied. Das ist kein Defekt, sondern eine bewusste Konstruktion.
Die aufschaltung des tachos: ein sicherheitsrisiko
Der Grund dafür liegt in der Funktionsweise von Tachometer und GPS. Während der Tacho – oder besser gesagt, das Tacho-System – gesetzlich verpflichtet ist, immer eine höhere Geschwindigkeit anzuzeigen als die tatsächliche, um Fahrer vor Fehlinterpretationen zu schützen, misst das GPS die Geschwindigkeit anhand der zurückgelegten Distanz. Diese Diskrepanz ist nicht nur ärgerlich, sie hat auch einen tiefgreifenden sicherheitstechnischen Hintergrund.
Die Normen des ONU/ECE n.º 39 schreiben vor, dass der Tacho niemals eine geringere Geschwindigkeit anzeigen darf als die tatsächliche. Er darf jedoch um bis zu 10 % über der echten Geschwindigkeit liegen, plus zusätzliche 4 km/h. Bei einer realen Geschwindigkeit von 80 km/h kann der Tacho also legal bis zu 92 km/h anzeigen. Diese Überhöhung ist eine Sicherheitsmaßnahme: Sie soll verhindern, dass Fahrer denken, sie würden die Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten, obwohl sie sie überschreiten.

Wie gps wirklich geschwindigkeit misst
GPS-Systeme hingegen arbeiten ganz anders. Sie berechnen die Geschwindigkeit, indem sie die zurückgelegte Strecke über einen bestimmten Zeitraum messen. Moderne Systeme nutzen zusätzlich den Doppler-Effekt, um die Genauigkeit zu erhöhen, insbesondere bei klarem Himmel. Allerdings verlieren GPS-Geräte an Präzision in Tunneln, unterirdischen Parkhäusern oder bei dichter Bebauung. Auch plötzliche Beschleunigungen oder Bremsmanöver werden nicht sofort erfasst.
Die Genauigkeit von GPS liegt unter optimalen Bedingungen bei etwa 0,16 km/h. In der Praxis liegt der Unterschied zwischen Tacho und GPS meist zwischen 5 und 10 km/h. Wenn Ihr Tacho 100 km/h anzeigt, liegt die tatsächliche Geschwindigkeit meist zwischen 90 und 96 km/h.

Neuwagen und alte reifen: die auswirkungen
Ein weiterer Faktor ist der Reifendruck und die Reifengröße. Wer von den serienmäßigen Reifen abweicht, kann die Diskrepanz zwischen Tacho und GPS beeinflussen. Größere Reifen lassen beispielsweise pro Umdrehung weniger Strecke zurück, was den Tacho tendenziell unterschätzt. GPS ist hier unbeeinflusst.

Physische knöpfe kehren zurück: das ende der tasten
Die Debatte um Tacho und GPS wirft auch Fragen zur Zukunft der Fahrzeugsteuerung auf. Hersteller kehren zunehmend physische Knöpfe zurück und reduzieren den Einsatz von Touchscreens. Die Frage ist, ob dies ein Zeichen dafür ist, dass die Technologie endlich ihre Grenzen erreicht hat.
Die unterschiedlichen Messmethoden von Tacho und GPS sind nicht unbedingt ein Konflikt zwischen Technologien, sondern vielmehr die Folge unterschiedlicher Funktionen. Die Überhöhung des Tachos dient der Sicherheit, während GPS die reale Geschwindigkeit erfasst. Das Verständnis dieser Unterschiede ändert zwar nichts an der Art und Weise, wie wir fahren, aber es erklärt, warum die Beschilderung auf Autobahnen oft mehr Spielraum lässt, als der Tacho vermuten lässt.
Die Diskrepanz ist längst bekannt, aber viele Fahrer ignorieren sie. Die Folge: Eine unterschätzte Geschwindigkeit, die illegal sein kann. Die Erkenntnis, dass Ihr Tacho nicht die absolute Wahrheit zeigt, ist ein wichtiger Schritt hin zu einem sicheren Fahrverhalten – und eine Erinnerung daran, dass Technologie nicht immer perfekt ist.
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