Haier: vom kühlschrank-challenger zum smart-home-vorreiter
Die chinesische Haier-Gruppe stürmt den europäischen Markt und krempelt die etablierte Haushaltsgeräteindustrie um. Während Namen wie Bosch und Siemens in Deutschland noch immer eine gewisse Aura genießen, setzt Haier auf eine aggressive Expansionsstrategie und eine Fokussierung auf vernetzte Technologien, um sich in den Top-Positionen zu etablieren – und das schneller als viele Beobachter erwartet haben.
Ein globaler player mit deutschem fokus
Haier, gegründet 1984, ist bereits in den USA, Asien, Australien und Neuseeland Marktführer im Bereich Smart Home. In Europa liegt man zwar noch auf dem dritten Platz, doch die Verantwortlichen haben klare Ziele: Europa und Südamerika sollen zur Priorität werden, um schließlich auch hier die Vorreiterrolle in den Bereichen Kühlschränke und Waschmaschinen zu übernehmen. In Spanien hat Haier 2025 sogar den zweiten Platz belegt, knapp hinter einem etablierten Konkurrenten – ein eindrucksvolles Zeichen des Erfolgs.
Die Zahlen sprechen für sich: Haier ist das am schnellsten wachsende Unternehmen in Europa. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer cleveren Doppelmarkenstrategie mit Haier und Candy, die es ermöglicht, ein breites Spektrum an Konsumenten anzusprechen. Während Haier den Premium-Bereich bedient, spricht Candy preissensiblere Kunden an. Diese Flexibilität, kombiniert mit einer Investition in innovative Technologien und einem starken Vertriebsnetz – das mittlerweile 230.000 Verkaufsstellen umfasst – bildet das Fundament für das rasante Wachstum.

Hon: das herz des vernetzten zuhauses
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Haier ist die Plattform hOn, die das Smart Home Ökosystem steuert. Fast 10 Millionen Nutzer weltweit nutzen die App bereits, um ihre vernetzten Geräte zu verwalten und zu personalisieren. Der Anteil der verkauften vernetzten Produkte in Spanien liegt bei beeindruckenden 60 Prozent – ein Wert, der verdeutlicht, wie sehr die Kunden nach intelligenten Lösungen für ihren Alltag suchen.
Besonders innovativ ist beispielsweise die Haier Washpass Waschmaschine, die automatisch erkennt, wann der Waschmittelvorrat zur Neige geht und eine Nachbestellung über ein Abonnementdienst initiiert. Ein weiteres Beispiel ist die Horizon-Kühlschrankserie mit der NutriBank-Technologie, die Lebensmittel länger frisch hält, sowie die Steam ID Series-Backöfen mit Bionicook-Funktion. Diese Produkte zeigen, dass Haier nicht nur vernetzte Geräte herstellt, sondern auch versucht, ein umfassendes Erlebnis zu schaffen.
Aber es gibt auch Herausforderungen. Die Konkurrenz schläft nicht und etablierte Marken wie Bosch und Siemens verfügen über eine lange Tradition und ein starkes Markenimage. Haier muss weiterhin innovativ sein und seine Produkte so gestalten, dass sie sich nahtlos in den Alltag der Kunden integrieren.
Die Haier-Gruppe erwartet, bis Ende 2026 und im darauffolgenden Jahr einen Gewinn von über 500 Millionen Euro zu erzielen. Mit einer Strategie, die auf Kundenzentrierung, technologischem Fortschritt und einer klugen Doppelmarkenstrategie setzt, scheint Haier auf dem besten Weg zu sein, dieses Ziel zu erreichen. Die Frage ist nicht, ob Haier die europäischen Märkte erobern wird, sondern wie schnell es passieren wird.