Mondfieber 2026: artemis, chang’e und der private traum
Die kommende Jahreszahl 2026 wird wohl für immer in die Geschichtsbücher der Raumfahrt eingehen. Eine Flut von Missionen zum Erdtrabanten verspricht nicht nur wissenschaftliche Durchbrüche, sondern auch einen neuen Wettlauf – zwischen Nationen, Unternehmen und sogar zwischen staatlichen und privaten Initiativen. Der Mond, einst stiller Begleiter, wird zum Schauplatz ambitionierter Pläne und technischer Meisterleistungen.
Artemis ii: die nasa bringt astronauten zurück zum mond
Der Startschuss ist bereits gefallen: Die NASA hat erfolgreich ihre Orion-Raumkapsel im Rahmen der Artemis II-Mission vom Kennedy Space Center in Florida gestartet. An Bord befinden sich die Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen (CSA), die in den kommenden zehn Tagen eine Umrundung des Mondes absolvieren werden. Dieser Flug markiert einen Wendepunkt – die erste bemannte Mission zum Mond seit dem Ende der Apollo-Ära. Es ist nicht nur eine Rückkehr, sondern ein Testlauf für die Lebenserhaltungssysteme der Orion, ein essenzieller Schritt für zukünftige, längere Aufenthalte auf dem Mond.

Chang’e 7: auf der jagd nach eis am südpol
Parallel dazu bereitet China seine Chang’e 7-Mission vor, die im August 2026 zum Südpol des Mondes aufbrechen soll. Dort, in permanent beschatteten Kratern, vermutet man die Existenz von Wassereis – eine Ressource von unschätzbarem Wert für zukünftige Mondbasen. Die Sonde, ausgestattet mit einem innovativen Analysegerät für Wassermoleküle, soll nicht nur die Existenz des Eises bestätigen, sondern auch dessen Verteilung kartieren. Die Ergebnisse könnten die Kosten und die Zeit für den Transport von Wasser von der Erde drastisch reduzieren und so den Weg für eine nachhaltige menschliche Präsenz ebnen.

Private träume und internationale kooperationen
Doch es ist nicht nur die NASA und China, die das Mondrennen prägen. Auch die Vereinigten Staaten verfolgen den Plan, unter der Trump-Administration initiiert, eine permanente Mondbasis zu errichten. Und dann gibt es da noch PLD Space aus Spanien, deren Miura 5-Rakete möglicherweise bereits in diesem Jahr ins All fliegen könnte – ein historischer Moment für das Land und die erste vollständig spanische Weltraummission.
Die internationale Zusammenarbeit wird ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Die Blue Ghost M2-Mission von Firefly, die für Ende 2026 geplant ist, wird auf der Rückseite des Mondes landen und den Rashid 2-Rover aus den Vereinigten Arabischen Emiraten aussetzen. Ein bahnbrechendes Unterfangen, denn es soll der erste amerikanische Lander auf der Mondrückseite sein. Die Mission vereint Technologien und Instrumente aus fünf verschiedenen Ländern – den USA, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Australien und Kanada – und wird die Kommunikation, die Mobilität auf der Mondoberfläche verbessern und Einblicke in die geologischen und mineralogischen Eigenschaften des Mondes liefern.

Weitere highlights am horizont
Neben diesen großen Missionen gibt es noch weitere spannende Projekte. Die ESA schickt die Hera-Sonde zur Untersuchung des Dimorphos-Asteroiden, der im Jahr 2022 von der DART-Mission getroffen wurde. Die Smile-Mission der ESA soll die Erdkorona abbilden und die Wechselwirkung des Sonnenwinds mit der Erdatmosphäre erforschen. BepiColombo, ein gemeinsames Projekt von ESA und Japan, wird erstmals in die Umlaufbahn des Merkur eintreten, um das Innere des sonnennächsten Planeten zu untersuchen. Und Rocket Lab plant eine private Mission zu Venus, um nach Spuren von Leben zu suchen.
Nicht zu vergessen der Start des Nancy Grace Roman Space Telescope, der mit seinem 2,4-Meter-Spiegel und seinen 300-Megapixel-Kameras den Himmel hundertmal größer abbilden wird als das Hubble-Teleskop. Und schließlich das Sentinel-3C-Satellit der ESA, der essentielle Daten für Wetter- und Meeresvorhersagen liefern wird.
Der Wettlauf um den Mond ist in vollem Gange. Die kommenden Jahre werden zeigen, wer diesen Wettlauf gewinnen wird – und welche Auswirkungen diese neuen Erkundungen auf unser Verständnis des Universums haben werden. Die Technologie ist bereit, die Ambitionen sind da, und die Sterne warten.