Revolut verschiebt börsengang auf 2028 – vertrauensproblem bleibt kern
Nik Storonsky, der Kopf von Revolut, hat seine Pläne für einen Börsengang drastisch vorgezogen. Statt wie einst gehofft im laufenden Jahr, muss der britische Fintech-Konzern nun mit 2028 rechnen. Ein kalkuliertes Risiko, das die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit eines digitalen Bankkonzerns offenlegt.
Die lange wartezeit: ein zeichen der vorsicht?
Storonsky selbst bezeichnete die Entscheidung in einem Interview mit David Rubenstein als „nur noch zwei Jahre“. Doch diese Formulierung scheint eine Mischung aus Realismus und strategischer Täuschung zu sein. Die regulatorischen Hürden, insbesondere in den USA, sind enorm und die Zweifel an der Fähigkeit eines Startups, die hohen Anforderungen einer etablierten Bank zu erfüllen, sind keineswegs ausgeräumt. Die jüngste, mit Nvidia und Coatue getragene Eigenkapitalrunde, die den Wert von Revolut auf 75 Milliarden Dollar brachte, ist dabei nur ein Symptom. Der eigentliche Knackpunkt liegt in der fundamentalen Frage des Vertrauens.
Bloomberg meldete bereits im Februar über die Überlegungen, weitere Aktien zu veräußern. Diese Sekundärverkäufe, die in regelmäßigen Abständen – etwa alle ein bis zwei Jahre – stattfinden, dienen primär dazu, die ersten Investoren und Mitarbeiter zu liquidieren und gleichzeitig die Privatsphäre des Unternehmens zu verlängern. Ein Schachzug, der den Wert von Revolut weiter ankurbelt, aber den Druck auf den Börsengang erhöht.

Usa-lizenz: ein entscheidender stolperstein
Die ambitionierten Pläne von Revolut, in den USA Fuß zu fassen, sind eng mit der Erlangung einer Banklizenz verknüpft. Storonsky schätzt, dass dieser Prozess weitere zwölf Monate dauern könnte – obwohl offizielle Angaben von vier Monaten sprechen. Die neue Administration in Washington, kombiniert mit den bereits vorhandenen Lizenzen im Vereinigten Königreich, soll die Chancen deutlich erhöht haben. Allerdings bleibt die Skepsis hoch. Die regulatorischen Anforderungen sind streng und die Wettbewerbslandschaft im US-Markt ist hart umkämpft. Ein Detail, das Storonsky in einem Gespräch mit Rubenstein offenbarte – er brauche „definitiv einen Anzug“ für die Gespräche mit den US-Behörden – unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Lage.
Die Verzögerung des Börsengangs ist somit nicht nur eine strategische Neuausrichtung, sondern auch ein Spiegelbild der Herausforderungen, denen sich Revolut stellen muss. Die Frage ist nicht, ob Revolut an die Börse gehen wird, sondern wann – und ob das Unternehmen seinen Ruf als vertrauenswürdiger Finanzdienstleister tatsächlich rechtfertigen kann.