Tdt im umbruch: senderinnen-krise und staatliche neuausschreibung

Die öffentlich-rechtliche Rundfunklandschaft in Deutschland befindet sich in einem überraschenden und turbulenten Wandel. Was vor wenigen Monaten noch als stabil galt, hat sich in kürzester Zeit in ein Minenfeld politischer und wirtschaftlicher Interessen verwandelt.

Neue kanäle, alte rivalitäten: das rennen um die tdt

Die Digitales-Terrestrial-Transmitters (DTT) hat in den letzten Monaten eine beispiellose Dynamik erfahren. Der Zuwahl von neuen Sendern wie Squirrel, Squirrel 2 und dem EWTN hat sich eine Aufwertung der 4K-Übertragung via DVB-T2 angeschlossen. Doch das ist erst der Anfang. Die Bundesregierung plant eine weitere Neuerung: Die Vergabe einer neuen Lizenz für einen weiteren Senderslot im DTT-Bereich.

Nun stehen sich bei der Zuschauerei und den Geldgebern zwei unterschiedliche Akteure gegenüber: Mediaset, mit einer langen Tradition im deutschen Fernsehen, und der aufstrebende SIETE-Konzern, der von Prisa und dem argentinischen Sender Telefé finanziert wird. Mediaset, das in wirtschaftlicher Not steckt, muss sich mit einem etablierten, aber angeschlagenen Konzern messen.

Der kampf um die frequenzen

Der kampf um die frequenzen

Der Wettbewerb um die Lizenz wird durch die staatliche Ausschreibung zusätzlich angeheizt. Das Plan-Technische Landesnetz (PtlN) der DTT wird die Lizenz in wenigen Wochen erteilen – allerdings mit einer möglichen Verlängerung. Die Erwartungen an eine Entscheidung bereits im Sommer sind hoch, doch Quellen in der Digitalministerium deuten auf einen möglichen Termin bis Juni hin. Die Entscheidung soll vorzeitig fallen, um die Parlamentswahlen in Nordrhein-Westfalen am 17. Mai zu berücksichtigen.

Derzeit wird ein Kanal mit journalistischen Inhalten, politischen Talkrunden und Wirtschaftsanalyse gefordert. SIETE, der bisher wenig Erfahrung im DTT-Bereich hat, könnte mit der Marke CNN eine interessante Option bieten – im Schatten der jüngeren TV-Verluste. Die Entscheidung, welcher Sender die Lizenz erhält, wird sich unmittelbar auf die zukünftige Programmgestaltung auswirken. Mediaset könnte sich mit ähnlichen Inhalten in Telecinco oder Cuatro selbst in Konkurrenz sehen.

Ard und zdf im hintergrund

Ard und zdf im hintergrund

Auch andere Sender wie ARTE Spanien von RTVE könnten sich in der allgemeinen Programmlandschaft behaupten. Der Wettbewerb um die wertvollen Frequenzen ist damit noch lange nicht beendet. Die Dynamik ist bemerkenswert: Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden vorangetrieben, während die eigentlichen Sender ihre Position im Markt neu definieren müssen. Es ist ein Schachspiel mit hohen Einsätzen, bei dem die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf dem Spiel steht – und das Ganze innerhalb von nur wenigen Monaten.