Kinderarmut in spanien: experten fordern radikale reformen – 1 million kinder gefährdet

Die Zahlen sprechen eine erschreckende Sprache: In Spanien leben fast ein Drittel der Kinder in Armut oder sozialer Ausgrenzung. Dieser alarmierende Zustand, der das Land seit Jahren dominiert, hat nun erneut die Aufmerksamkeit des Consiglio Economico e Sociale (CES) auf sich gezogen. Die jüngste Memoria des Gremiums, das Vertreter der Wirtschaft und Gewerkschaften vereint, zeichnet ein düsteres Bild der sozialen Ungleichheit und fordert grundlegende Veränderungen im System der sozialen Sicherung.

Systembruch und notwendigkeit einer universellen lösung

Das CES sieht die hohe Rate an Kindern in Not als eine „schandehafte“ Eigenart eines Industrielands und plädiert für einen radikalen Wandel. Die Forderung nach einer universellen Kindergeldleistung von 200 Euro pro Monat, initiiert von Bundesministerin Yolanda Díaz, wird hier als zentraler Ansatz betrachtet. Der Fokus liegt auf der Einführung einer bedingungslosen Elternzeitbezüge – einer Leistung, die unabhängig vom Einkommen jeder Familie mit Kindern gewährt wird.

„Dies ist der effektivste Weg, die Kinderarmut nachhaltig zu reduzieren und ein System zu korrigieren, das heute nur unzureichend und fragmentiert viele Haushalte erreicht“, so das CES in seiner Analyse. Die tatsächlichen Auswirkungen sind erschreckend: Spanien belegt weiterhin die Spitze des Empfehlungsrankings der EU in Bezug auf Kinderarmut – ein Zustand, der nicht länger toleriert werden kann.

Reale zahlen, gravierende folgen

Reale zahlen, gravierende folgen

Die aktuelle Situation ist alarmierend: In Spanien leben rund 30 Prozent der Kinder in Armut oder sozialer Ausgrenzung. Eine hohe Zahl von Haushalten, insbesondere Alleinerziehende (über 50 Prozent) und Familien mit einem Kind und einem Elternteil, sind von dieser Problematik betroffen (27,4 Prozent). Die Folgen sind verheerend – nicht nur für die betroffenen Kinder, sondern auch für die Zukunft des Landes. Die Kinderarmut kostet das Land jährlich rund 63 Milliarden Euro, das entspricht etwa 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, durch Produktivitätsverluste und damit verbundene Gesundheitskosten.

Reformbedarf – mehr als nur ein bonus

Reformbedarf – mehr als nur ein bonus

Der Präsident des CES, Anton Costas, betonte während der Vorstellung der Memoria, dass die Unterstützung mindestens bis zum dritten Lebensjahr gewährt werden sollte – ein Stand, der bereits in vielen Nachbarländern erreicht ist. Innerhalb des Gremiums herrscht jedoch kein einstimmiges Votum. Einige fordern eine Ausweitung auf 0 bis 6 Jahre, andere auf 0 bis 12 Jahre. Ein Konsens ist jedoch über die Mindestgrenze von 3 Jahren erkennbar. Die Finanzierung der Leistung ist ein weiteres Thema.

Es wird entweder als direkter Zuschuss oder als negativer Einkommensteuerbetrag vorgesehen. Das CES erachtet die zweite Variante als administrativ effizienter, insbesondere angesichts der Schwierigkeiten, die das „Ingreso Mínimo Vital“ (Mindestlebensstandard) bei der Erreichung all seiner potenziellen Begünstigten hatte. Neben der universellen Elternzeitbezüge fordert das CES weitere Reformen, um den Schutz von Kindern zu stärken. Dazu gehören die Erhebniß der Kinderbetreuungskosten als Freibetrag im Einkommensteuergesetz und ein Umbau des „Sistema de Ayudas a la Pequeña Empresa“ (SAP), der die Unterstützung für Kinder unter 6 und 17 Jahren priorisiert.

Fragmentierung und vereinfachung – der schlüssel zur lösung

Fragmentierung und vereinfachung – der schlüssel zur lösung

Das CES warnt vor der aktuellen Fragmentierung des Systems – einer Vielzahl von Instrumenten, die nicht immer effektiv koordiniert werden. Eine Vereinfachung und Vereinheitlichung der Hilfen in eine universelle Politik würde die Verwaltung erheblich erleichtern. Die aktuelle Situation ist nicht nachhaltig. Spanien kann sich keine so hohen Raten an Kinderarmut leisten, insbesondere angesichts der wirtschaftlichen Verbesserungen und der Beschäftigungsentwicklung. Die Politik muss inklusiver werden und die sozialen Sicherungssysteme müssen wirklich wirksam funktionieren. Ein Umdenken ist unerlässlich – und dringlich.