Ormuz-krise eskaliert: ölpreise steigen, friedensgespräche gefährdet
Die fragilen Hoffnungen auf eine schnelle Deeskalation im Persischen Golf sind am Montag jäh gestört worden. Nur wenige Stunden nachdem Iran den strategisch wichtigen Hormus-Strait kurzzeitig wieder für die Schifffahrt geöffnet hatte, wurde der Verkehr erneut eingestellt. Angesichts der unversöhnlichen Positionen von Washington und Teheran, die eine Fortsetzung der Gespräche über ein Friedensabkommen in weite Ferne rücken lassen, droht eine massive Verschärfung der ohnehin angespannten Lage.
Die fronten verhärten sich: trump droht vergeltung
Präsident Donald Trump, der am Freitag noch von einem nahezu abgeschlossenen Deal mit Iran gesprochen hatte, schärfte am Sonntag seine Drohungen zu. Er kündigte die Zerstörung sämtlicher iranischer Kraftwerke und Brücken an, sollte es zu einem Scheitern der Verhandlungen kommen. Diese Ankündigung, verbunden mit der Weigerung Irans, in den geforderten Punkten einzubüßen – insbesondere im Hinblick auf das Atomprogramm und die Uranvorräte – lassen eine diplomatische Lösung kaum mehr erahnen.
Die Situation spitzt sich weiter zu, nachdem die US-Marine am Wochenende einen iranischen Frachter im Golf von Oman aufgebracht hatte. Nach offiziellen Angaben der US-Seite soll das Schiff trotz mehrfacher Warnungen nicht auf Aufforderung reagiert haben. Die US-Marine eröffnete daraufhin das Feuer und deaktivierte den Maschinenraum des Schiffes, bevor US-Marines an Bord gingen und die Kontrolle übernahmen. Trump bezeichnete den Vorfall als „Versuch, unser Seeblockade zu umgehen – und das ging nach hinten los.“
Die Folgen für die Finanzmärkte sind bereits spürbar: Die Ungewissheit belastet die Anleger. Futures an der Börse fielen, während die Ölpreise in die Höhe schossen. Brent-Öl, der globale Referenzsorten, stieg um über 7 Prozent auf über 96,80 Dollar pro Barrel. Eine Einigung über ein fragiles Hochfeuer, das bis Dienstag andauern sollte, scheint unwahrscheinlich, da weder iranische noch amerikanische Vertreter eine Begegnung in Islamabad, Pakistan, bestätigten. Die US-Seite, vertreten durch Vizepräsident JD Vance, den Sonderbeauftragten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, sieht zwar noch eine Chance, doch iranische Quellen widersprechen dieser Einschätzung.

Teheran setzt auf eigene akzente: neue regeln für schifffahrt
Immerhin hat der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf am Samstagabend von „signifikanten Unterschieden“, aber auch von Fortschritten in den Verhandlungen gesprochen. Doch Teheran setzt nun auch auf eigene Akzente: Es wurden neue Gebühren für die Schifffahrt eingeführt, und das Parlament arbeitet an einem Gesetz, das die Verwaltung des Hormus-Straits regeln soll. Darin ist unter anderem ein Verbot für Schiffe zu verankern, die mit Israel in Verbindung stehen.
Die Versuche, den Hormus-Strait, durch den etwa ein Fünftel der weltweit transportierten Öl- und Erdgaslieferungen fließen, zu blockieren, verschärfen die globale Energiekrise und untergraben Trumps Hoffnungen auf einen schnellen Abschluss des Konflikts. Die von den USA verhängte Seeblockade lässt zwar Schiffe mit nicht-iranischem Ladung aus dem Golf von Persien auslaufen, behindert jedoch Schiffe, die von iranischen Häfen ablegen. Dies führte dazu, dass die Islamische Republik den Statt erneut schloss.
Die iranische Regierung wirft den USA „übertriebene, unvernünftige und unrealistische Forderungen, ständige Kurswechsel, Widersprüche und die Fortsetzung der Seeblockade“ vor, die „die Verhandlungen behindert.“ Die Lage ist brisant, und die Welt blickt gespannt auf die weiteren Entwicklungen.